Sira, das Erotik-Model

Aktualisiert: 18. Okt 2018

Es freut mich, euch wieder ein Interview zu zeigen. Sira ist Erotikmodel und stellte sich meinen Fragen:

Jolanda: Sira Kuster, wenn man Sie nach Ihrem Beruf fragt, dann antworten Sie mit "Erotik-Model". Was genau macht ein Erotik-Model den ganzen Tag? Sira: Nun, das kann ich nicht auf einen Tag begrenzen, so wie z.B. eine Sekretärin. Es gibt Tage, da mache ich gar nichts, dann aber habe ich mehrere Shootings in einer Woche.


Mit Shootings meinen Sie natürlich Foto-Shootings? Sie sind also Fotomodel? Ja klar. Mit dem Unterschied zu einem herkömmlichen Model, dass ich mich vor allem in Unterwäsche oder so fotografieren lasse. Nur in Unterwäsche oder auch nackt? Sicher auch mal ganz nackt. Wenn es das Shooting verlangt, dann mache ich das auch. Wie weit gehen Sie, wenn ein Fotograf sie auffordert, sich ganz auszuziehen? Ich mache viel, aber nicht alles. Ich bin Erotik-Model, mich auszuziehen gehört dazu. Ich weiss ja immer schon vorher, worum es geht. Wenn es um sexy Bademode geht, dann bleibt es bei den Bikins. Wenn ich mich für Reizwäsche fotografieren lasse, dann eigentlich auch. Es sei denn, man will nur einzelne Stücke zeigen und der Rest soll unverhüllt sein.

Das heisst, wenn der Auftraggeber ein Höschen zeigen will, dann sollen Sie keinen BH tragen, weil der Betrachter das Teil allein sehen soll? So in etwa. Das kann schon vorkommen. Aber dann kann ich mir ja auch die Brüste sexy verdecken, sonst schauen die Männer wieder nicht auf den Slip. Machen Sie "nur" Fotos oder auch Filme? Ich habe schon in einigen Werbefilmen mitgemacht. Auch habe ich schon gedoubelt. Erzählen Sie. Es gibt Filmschauspielerinnen, die in gewissen Szenen ihren Körper nicht nackt zeigen wollen. Dafür gibt es Erotik-Models wie mich. Namen möchte ich keine nennen, aber ich habe schon Schauspielerinnen gedoubelt, die man recht gut kennt. Mal angenommen, Hollywood würde Ihnen ein Angebot machen. Würden Sie es annehmen? Hollywood? Nein danke. Ich will noch Spass bei der Sache haben, nicht nur des Geldes Willen. Ausserdem will ich hier in der Schweiz bleiben, ich hätte sofort viel zu sehr heimweh. Macht Ihnen die Arbeit immer Spass oder beschäftgt es Sie manchmal, dass Sie praktisch nur auf Ihren Körper reduziert werden? Ich fühle mich gar nicht auf meinen Körper reduziert. Klar, meistens geht es darum, aber es macht mir immer Spass, mich so zu zeigen, wie ich bin. Sonst würde ich mir sofort einen anderen Job suchen.

Wie wird man Erotikmodel? Natürlich habe ich als normales Fotomodell angefangen. Bald aber habe ich gemerkt, dass es kein Problem für mich ist, mich sexy zu zeigen. Ja, es machte mir sogar Spass. Andere wollten das auf keinen Fall, aber ich fand es aufregend. Irgendwie fühle ich mich mutiger, spezieller oder sogar etwas abenteuerlicher als die anderen Models. Meine Agentur hat mich mal für sexy Dessous gemeldet. Dann bin ich dabei geblieben. Wie war ihr erstes erotisches Shooting? Ich erinnere mich noch sehr genau. Ich war extrem nervös. Was wäre, wenn die Leute mich nicht sexy finden würden? Und dann waren da ja nicht nur der Fotograf, sondern noch ein Techniker, zwei Helferinnen und die Vertreterin der Auftraggeber, die mir alle fremd waren. Aber es waren alles Profis und sehr nett und verständnisvoll. Es hat mir sofort Spass gemacht, ich war zwar die Person im Mittelpunkt, aber wir ergänzten uns sehr gut als Team. Am Schluss zog ich mich vor allen anderen um, ich musste mich nicht mehr verdecken zu lassen.

Haben Sie an diesem Shooting mehr zeigen müssen als Sie wollten? Na ja, es gehörte dazu. Man hat mir von Anfang an gesagt, dass ich auch nur einzelne Teile anziehen soll, man also jeweils den Rest nackt sieht. Aber ich durfte mich ja so hinstellen, dass es für mich stimmte. Braucht es besonderes Selbstvertrauen, sich nackt zu zeigen? Ich denke schon. Man muss seinen Körper lieben und denken, dass man einem grossen Publikum zeigt, was andere immer verheimlichen oder verhüllen. Aber das macht es auch prickelnd. Das Selbstvertrauen kann man sich selber aneignen, wenn man eine gewisse Routine hat. Das gibt Sicherheit. Gab es auch schon einen Auftrag, den Sie abgelehnt haben, weil er einfach zu viel verlangte? Bis jetzt habe ich noch keinen Auftrag abgelehnt. Meine Agentur weiss, dass ich für Erotik zu haben bin, aber nicht für Pornografie. Entsprechende Angebote kommen also gar nicht bis zu mir. Wie vereinbaren Sie diesen Beruf mit Ihrem Privatleben? Ich bin Single. Das macht es einfacher. Ich muss mich niemals rechtfertigen. Für nichts und für niemanden. Angenommen, Sie hätten einen Freund und dieser hätte ein Problem mit ihrem Job. Würden Sie etwas ändern? Schwierig zu sagen. Vermutlich nicht sofort. Wenn er mich kennenlernt, dann wird er sehr bald erfahren, wie ich mein Geld verdiene. Dann muss er es so akzeptieren wie ich bin. Aber ich lasse mich ja nur fotografieren oder filmen. Ich mache ja keinen Sex vor der Kamera. Da ich im Moment nichts ändern will, habe ich vielleicht auch deshalb keinen Freund.

Und wenn er Freude daran hätte und Sie zu den Shootings beleiten möchte? Uups! Ich glaube, da hätte ich das grössere Problem. Am Set muss ich mich konzentrieren und meinen Job machen. Da kann ich nicht auf jemanden achten und mich darum kümmern, ob ich es ihm wohl recht mache. Auch wenn er nur da sitzen und zusehen würde, es würde mich ablenken. Aber die Bilder dürfte er schauen und kommentieren? Ja klar. Meine Bilder sehen viele Leute, die ich gar nicht kenne. Hätte ich einen Freund, würde ich die Fotos sicher mit ihm anschauen und diskutieren. Muss man als Erotikmodel seinen Körper bedingungslos lieben? Ja. Körper und Gesicht sind das Kapital eines Erotikmodels. Man muss täglich hart daran arbeiten, damit man gut aussieht. Für jeden Auftrag, mit welchem ich ja Geld verdiene, werde ich neu begutachtet. Pölsterchen kann ich mir nicht leisten. Wie auf Bilder so auch in Filmen kann man heute viel nachhelfen. Das ist so. Es kann immer sein, dass irgendwo durch eine spezielle Stellung ein Fältchen oder ein Schatten zu sehen ist. Es ist heute ganz normal, dass man mit Computern sehr viel rausholen kann. Aber nicht an den Körpern der Models. Wie das? Mit Photoshop kann jeder seinen Hintern runder machen. Das ist der Stolz der "echten" Models. An den Körpern wird nicht gephotoshpt. Da muss alles echt sein. Wie gesagt, an der Umgebung oder an Falten in den Kleidern ist es ok. Es liegt am Fotografen und am Model, dass der Hintern schön rund ist und der Busen richtig in Form bleibt, egal welche Stellung das Bild verlangt.

Was raten Sie einem Model, welches noch jung und unerfahren ist, aber auch erotische Fotos machen will? Auf jeden Fall nicht einfach den erst besten Auftrag annehmen. Sich am besten über die Agentur erkundigen und erst ein unverbindliches Gespräch mit dem Auftraggeber und wenn möglich mit dem Fotograf verlangen. Dann merkt man sofort, ob es passt oder ob etwas störend erscheint.

Und dann so viel Selbstvertrauen an den Tag legen wie Sie? Ja. Und wenn es keinen Spass macht oder man sich nicht wohl fühlt, kann man ja jederzeit wieder aufhören. Nackt sein vor fremden Leuten und vor laufenden oder klickenden Kameras ist nicht jedermanns Sache. Vielen Dank, Sira, für das offene Interview.

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Professor Nestor Graubart

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