• Jolanda

Rita's intimes Geständnis

Danke Rita, dass du mir und allen Leserinnen und Leser in dein kleines Geheimnis einweihst.


Hallo Leute, mein Name ist Rita. Ich bin 24 Jahre alt und lebe in einer der grössten Städte in der Schweiz. Ich habe dunkelbraune Haare, bin ca. 168 gross und komme mit meiner Figur gerade so durch. Alles in Allem würde ich von mir sagen, ich bin nicht anders als andere Frauen in diesem Alter, obwohl jeder Mensch ja bekanntlich einzigartig ist.


Ich habe mich bereit erklärt, hier ein intimes Geständnis zu machen. Ich mach's kurz: Ich liebe eine Frau. Vermutlich werden einige unter euch nun sagen: "Na und? Das ist doch kein Problem. Viele Frauen stehen heute zu ihrer lesbischen Beziehung, da muss doch niemand ein Geständnis machen."


Das ist richtig. Ich habe auch kein Problem damit. Meine Eltern und Freunde wissen mehrheitlich Bescheid. Aber... jetzt kommt's: Mein Mann wusste es bis vor ein paar Tagen noch nicht. Ja, richtig. Ich war verheiratet und eigentlich bis vor kurzer Zeit ganz glücklich in meiner Beziehung gewesen. Kinder habe ich zum Glück (noch) keine. Es ist noch nicht lange her, da habe ich mich aber in eine Frau verliebt, in eine Arbeitskollegin. Nach einigen schlaflosen Nächten fragte ich mich natürlich, warum das überhaupt möglich ist und warum ich das offenbar bis jetzt nicht gemerkt hatte. Oder bin ich einfach bi? Ich habe meinen Mann nicht verlassen wollen, denn irgendwie liebte ich ihn ja auch noch. Ich habe mit ihm eine Familie gründen wollen.



Nun verdreht mir Eliane - so heisst meine Arbeitskollegin - ganz klar den Kopf. Sie ist lesbisch und hat mir das ganz klar von Anfang an gesagt. Zuerst war es für mich nur ein Abenteuer, als sie mich an einem Ausflug auf den Mund geküsst hat. Als sie mich dann aber etwas später überall berührt hat und mir gestand, dass sie sich in mich verliebt hat, war ich schon etwas neben den Schuhen.


Eliane's Berührungen lösten in mir mehr aus, als ich mir vorstellen konnte. Solche Zärtlichkeiten waren bis jetzt für mich eine grosse Unbekannte. Sofort nach diesem Erlebnis sehnte ich mich nach mehr. Ich verabredete mich noch ein paar mal und wir wurden richtig intim. Mit mehr als einem schlechten Gewissen ging ich jeweils nach Hause, schliesslich hatte ich meinen Mann jetzt richtig betrogen! Ich wollte ihn aber nicht verlieren und redete mir ein, dass das mit Eliane wieder vorbei gehen würde. Aber es ging nicht vorbei. Im Gegenteil. Meine Gefühle wurden immer stärker, mein Verlangen grösser. Heute weiss ich, dass ich Eliane liebe.


Hilfesuchend habe ich meine Eltern gefragt, was ich tun soll. Sie haben mir geraten, mit offenen Karten zu spielen und meinen Mann zu informieren. Davor fürchtete ich mich natürlich, da es wird wohl unweigerlich die Scheidung zur Folge haben wird. Aber ich wollte ehrlich sein und es nicht noch lange verheimlichen. Aber so einfach war's halt nicht. Ich habe auch noch meine engsten Freundinnen eingeweiht. Sie hatten alle kein Problem damit, dass ich eine Frau liebte, aber in meiner - verheirateten - Situation war's halt schon ein wenig Spezieller.


Ich hatte viele Nächte ohne Schlaf. Eliane drängte mich, ich solle reinen Tisch machen. Sie wollte auch mehr von mir und nicht immer alles heimlich und mit einem schlechten Gewissen machen. Ich konnte sie sehr gut verstehen, es war ja auch genau mein Interesse. Ich traf mich immer öfter mit Eliane und wir waren eigentlich schon fast ein Paar. Für uns war es klar, dass wir zusammen sein wollten.


Mein Mann verhielt sich neutral und zurückhaltend wie immer, er ahnte noch nichts. Da war ich mir sicher. Er traf sich selber oft mit seinen Kollegen und war in mehreren Vereinen engagiert. Unser Liebesleben gab's zwar noch, aber es litt unter diesen Umständen natürlich schon ein wenig.


Dann endlich fasste ich allen Mut zusammen. Es ging nicht mehr anders, ich wollte meinen Mann nicht mehr länger betrügen. Es war mir schon jetzt nirgends mehr wohl in meiner Haut. Ich erwartete, dass er ausflippte und mich sofort verlassen würde. Doch weit gefehlt. Nach meinem Geständnis nahm er meine Hand und meinte ganz trocken:

"Liebe Rita, das ist für mich in Ordnung. Ich bin froh, dass du diesen Schritt gemacht hast und mir alles erzählt hast. Ich selber war zu feige. Aber jetzt muss ich es dir auch sagen: Ich habe mich in einen Mann verliebt und festgestellt, dass ich schwul bin. Ich habe mich schon mehrmals mit ihm getroffen."


Nachdem es mich zuerst komplett umgehauten hat, vielen uns beiden wohl tonnenweise Felsbrocken von der Schulter. Von einer Minute zur anderen war es draussen. Keiner von uns hatte dem anderen etwas vorzuwerfen und nun auch nichts mehr zu verheimlichen. Klar hatten wir uns gegenseitig betrogen, aber unter diesen Umständen konnten wir uns verzeihen.


Heute sind wir geschieden und beide in einer glücklichen Beziehung. Wir sind nach wie vor sehr gute Freunde, mein Ex-Mann und ich.


Warum wir nicht früher fühlten, dass wir vom gleichen Geschlecht angezogen waren, wissen wir bis heute nicht.


So, das war mein intimes Geständnis. Ich freue mich, wenn ihr mir dazu etwas schreibt.


Rita

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Professor Nestor Graubart

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