Erlebnis beim Nacktbaden

Heute gibt es wieder einmal eine kurze Geschichte, die mir zur Verfügung gestellt worden ist. Mit meinen Freundinnen fuhr ich im letzten Sommer nach Italien. Wir waren zu dritt. Neben mir war noch Alessia und Elena dabei. Wir sind alle 22 Jahre alt, studieren in Lausanne Geschichte und Literatur und hatten schon vor längerer Zeit beschlossen, irgend einmal einen Urlaub in Italien zusammen zu machen. ​ Jetzt war es also so weit. Wir fuhren mit dem Auto nach Marina di Ravenna, ein kleines Dorf in der Nähe von Ravenna. Unser Hotel war ziemlich neu, gemütlich und genau das, was wir uns vorgestellt hatten. Es hatte einen schönen Pool, an welchem wir viele Stunden unter der warmen Sonne Italiens verbrachten. Das Meer war nicht weit und auch dort lagen wir viel im warmen Sand, genossen kühle Drinks und schauten den schönen Männerkörpern nach.

Am letzten Tag unseres herrlichen Urlaubs beschlossen wir drei, im Hotelpool nackt zu baden. Eigentlich war es nur so ein Spruch von mir, dass ich das mal gerne machen würde. Dass Alessia und Elena gleich darauf einsteigen würden, damit hatte ich nicht gerechnet. Die zwei fanden meine Idee super und überlegten sich sofort, wann der beste Zeitpunkt war. ​ Wir fragten so ganz beiläufig den gut aussehenden Mann an der Rezeption des Hotels, ob denn nackt baden überhaupt erlaubt sei. Jan, so war er an seinem Gilet angeschrieben, meinte, dass er nicht wüsste, dass es verboten sei. Aber er sei nicht sicher, ob alle Gäste das akzeptieren würden und er uns deshalb nicht zusagen dürfe. Für uns war klar, dass wir also nur warten mussten, bis keine Gäste mehr am Pool waren, dann hatten wir freie Bahn. Langsam freuten wir uns auf unser Abenteuer, je mehr wir uns damit befassten und Pläne schmiedeten. Ein bisschen Adrenalin sollte bei diesem Unterfangen schon ausgeschüttet werden. ​

So gegen 22.00 Uhr zogen wir uns in unserem Zimmer aus und hüllten uns nur in unsere grossen Badetücher. Dann machten wir uns auf, fest entschlossen, ein herrliches und entspannendes Bad zu nehmen, so wie Gott uns geschaffen hat. Auf dem Weg zum Pool trafen wir niemanden an. Am Pool selber war ebenfalls niemand auszumachen. Um diese Zeit, so unsere Überlegung, waren die Leute am Nachtessen, bereits im grossen Saal am Tanzen oder höchstens noch in den Hotelzimmern am bereitmachen. ​ Einen Moment lang zögerten wir noch. Wir wollten keinen Ärger mit dem Hotel und schon gar nicht mit den Gästen. Wir fragten uns immer wieder, was passieren könnte, wenn nun zum Beispiel eine Familie mit Kindern vom Ausgang kam und hier am Pool vorbei gehen musste. Der Pool war im Innenhof des Hotels und zur Dekoration hatte es viele Palmen, die die Sicht aus den Zimmern ziemlich stark einschränkten. Auf dem Weg zu den Zimmern musste man nicht zwingend hier vorbeikommen, aber man konnte. ​ Um noch ein wenig Sicherheit zu bekommen, huschte ich zu dem kleinen Weg, der aus der Rezeption des Hotels führte, spähte hinunter, horchte in die Dunkelheit und blickte abermals zu Alessia und Elena. Diese schauten mich gespannt und regungslos an. ​ "Jetzt oder nie!" rief ich halblaut, als ich zu meinen Freundinnen zurückkehrte. "Die Luft ist rein!" Irgendwann mussten wir es tun, sonst könnte es zu spät sein. ​ "Ja, man wird uns wohl nicht verhaften, wenn man uns entdeckt." stimmte mir Elena zu. Und Alessia unterstützte uns alle drei ebenfalls mit den Worten: "Wir können immer noch so tun, als ob das bei uns normal wäre und wir uns einfach nichts dabei gedacht haben." ​ Wir schleuderten unsere Badetücher über die Liegestühle, huschten zum Poolrand und stiegen ins kühle Wasser. Es war herrlich. Ein absolut einmaliges Gefühl. Man fühlt sich so frei, so losgelöst und einfach ungezwungen. Die grösste Anspannung schien wie weggeblasen zu sein, sobald wir uns im Wasser bewegten und ein wenig umher schwammen. Wenn jetzt jemand kommen sollte, dann konnten wir um zum Rand bewegen und gaaanz unschuldig warten, bis die Luft wieder ein war. ​ Plötzlich stieß Elena mich in die Seite. "Sieh mal, da kommt wer!" ​ Ich schaute zur Passage. Da kam tatsächlich ein Mann eiligen Schrittes daher. Schade, dachte ich, ist der Spaß schon vorbei oder bleiben wir ganz cool und genießen das Bad weiterhin? Ich tat, als ob mich das nicht beeindruckte und wollte mir mein Gefühl von Freiheit nicht schon nach ein paar Augenblicken verderben lassen. Ich stieß mich vom Rand ab und gleitete auf dem Rücken ein paar Meter an der Oberfläche des Wassers zur Mitte des Pools. ​ Ich erkannte Jan erst, als er sich zu Elena und Alessia bückte und mit ihnen zu reden begann. Neugierig dreht ich mich auf den Bauch und schwamm mit zwei kurzen Zügen zum Rand zurück. ​ Jan sah wirklich sehr gut aus und verkörperte den Traum eines italienischen Mannes in Perfektion. Als ich bei den anderen ankam, erhob sich Jan, ging zu den Liegestühlen, zog sich sein Hotel-Hemd und seine lange, schwarze Hose aus. Erfreut sah ich zu, aber ich verstand nicht so ganz, was das zu bedeuten hatte. Als Jan sich auch seine Unterhose auszog und ohne zu zögern zu uns ins Wasser glitt, war mir eigentlich egal, warum und wieso. ​ Elena drehte sich zu mir und flüstere mir zu: "Jan findet es toll, was wir machen. Er hat gerade Feierabend und schwimmt ein paar Züge mit uns." ​ Es kam uns vor, als wären wir stundenlang im Pool gewesen. Wir genossen unser Abenteuer, welches dank Jan nicht nur noch viel spannender und aufregender geworden ist, sondern vor allem noch mehr Spaß machte, in vollen Zügen. Statt dass es von Seiten des Hotels Probleme gegeben hat, machte ein Angestellter noch mit. Jan schwamm mit uns, planschte, spritzte uns an und tauchte zwischen uns unter. Erst nach endlos langer Zeit entstiegen wir dem Pool und zogen uns erschöpft und glücklich in unser Zimmer zurück. ​ Wenn wir das nächste Mal nach Marina di Ravenna kommen, werden wir wieder im gleichen Hotel wohnen und unser Abenteuer wiederholen. Ob Jan dann noch hier sein wird, wissen wir nicht. ​ ENDE

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Professor Nestor Graubart

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